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MARSHALL MCLUHAN UND SEIN UNIVERSALISTISCHER MEDIENBEGRIFF

Im universalistischen Verständnis steht der Begriff „Medium“ ganz allgemein für „Mittel“. Ein Medium ist also alles, was in irgendeiner Form etwas vermittelt. Dieses weite Medienverständnis bezieht alle Gegenstände und Technologien als Forschungsgegenstand der Medienwissenschaften mit ein, die mit dem menschlichen Körper und Geist bzw. den menschlichen Sinnen und Wahrnehmungen in Kontakt kommen (z.B. Bücher, Autos, Kleidung, elektrisches Licht oder Geld). Die Forschung ist deshalb nicht nur auf die Kommunikations- bzw. Massenmedien beschränkt.

Marshall McLuhan

Der bekannteste Medientheoretiker, der seine Forschung aus dieser Sichtweise betrieben hat, ist der kanadische Literatur- und Medienwissenschaftler Marshall McLuhan.

McLuhan leitet sein Medienverständnis aus einer allgemeinen Theorie über Technik und deren Auswirkungen auf den Menschen ab. Danach verändert Technik die Dimension von Raum und Zeit und bestimmt generell die Schemata, in denen die Welt wahrgenommen wird. Medien sind nun alle Technologien, welche die Wahrnehmung verändern.

Auf diese Weise erzeugt jedes neue Medium ein anderes Wechselspiel der Sinne und ein neues Wahrnehmungsmuster. Diese Technik bestimmt die Art und Weise, in welcher der Mensch die Welt wahrnimmt und erfährt. Wahrnehmung geschieht demnach nie unmittelbar, sondern immer schon technisch strukturiert und präformiert. Sie ist das Zusammenspiel der verschiedenen Sinne gesteuert durch das Zentralnervensystem (ZNS).

„Wenn eine neue Technologie einen oder mehrere unserer Sinne in die soziale Welt ausdehnt, werden sich neue Verhältnisse zwischen allen unserer Sinne ergeben. Dies ist vergleichbar mit dem Hinzufügen einer neuen Note zu einer Melodie. Wenn sich die Verhältnisse der Sinne in irgendeiner Kultur ändern, wird das, was vorher klar war trüb werden, und was unklar oder trüb war wird durchsichtig werden“ (McLuhan 1962, S. 41).

McLuhan versteht deshalb Medien als Körperextensionen, da sie immer die jeweiligen Sinne verlängern oder verbessern. Für McLuhan sind also Medien sehr vielfältig, wie z.B. die Kleidung (als Verlängerung der Haut), oder das Fernsehen (als Verlängerung von Auge und Ohr).

Schließlich geht er davon aus, dass die Verlängerung der Sinnesorgane immer dann notwendig wird, wenn sie den Gegebenheiten der Umwelt nicht mehr genügen oder eine neue bessere Technik erfunden wurde, die sich gesellschaftlich etabliert. Dadurch ersetzt der Mensch seine alten Techniken durch die Neuen, wodurch er das Alte amputiert und dessen Benutzung verlernt. Diese Amputation sorgt dann auch dafür, dass der Mensch nicht mehr so einfach auf die alten bzw. abgewöhnten Medien umsteigen kann.

McLuhan – Die Gutenberg Galaxis (1962)

In seinem ersten großen Hauptwerk „Die Gutenberg Galaxis“ aus dem Jahre 1962 beschreibt McLuhan die grundlegenden Veränderungen der Welt durch die Erfindung von Johannes Gutenberg im 15 Jhd., welche die Massenproduktion von Büchern ermöglicht hat.

Insgesamt teilt McLuhan die Geschichte in vier Epochen ein: die orale Stammeskultur, die literale Manuskript-Kultur, die Gutenberg-Galaxis und das elektronische Zeitalter. Für die Zäsur zwischen den Zeitabschnitten ist jeweils das Auftreten eines neuen Mediums verantwortlich, die Schrift beendet die orale Phase, der Buchdruck und die Elektrizität revolutionieren anschließend Kultur und Gesellschaft. Die Periodisierung behauptet keine Notwendigkeit des historischen Ablaufs, denn auch heute existieren noch orale Kulturen. Aber die Medientechniken haben einen großen Einfluss auf die allgemeine Kultur der Gesellschaften.

McLuhan – Understanding Media (1964) oder „the medium ist the messege“

In seinem zweiten großen Hauptwerk „Understanding Media“ entwickelte McLuhan schließlich seine berühmte Aussage: „The medium ist the message.“

McLuhan nahm an, dass nicht der übertragene Inhalt eines Mediums, sondern die Charakteristiken eines Mediums sich auf die Gesellschaft, in der das Medium auftritt, auswirken. Die Botschaft eines Mediums ist also das, was es mit Menschen macht und nicht etwa, wie das Alltagsverständnis suggeriert, der Inhalt desselben. Er beweist damit ein größeres Interesse an der Wirkung von Medien als an der Bedeutung ihrer Inhalte, was besonders seit dem Elektrizitätszeitalter deutlich hervorgetreten ist.

„Die Welt des Analphabeten ist eine andere als die des Bewohners der Gutenberg-Galaxis als die des Televisionärs als die des Internet-Surfers. Und zwar weitgehend unabhängig davon, was der Bewohner der Gutenberg-Galaxis liest oder der Fern-Seher sieht und hört. Daß jemand liest und nicht fernsieht, macht einen größeren Unterschied, als daß A dieses und B jenes Buch liest beziehungsweise C im TV lieber Sportübertragungen und D lieber Gameshows sieht. McLuhans Grundeinsicht gilt schlicht deshalb, weil die jeweils diensthabenden Medien für gänzlich unterschiedliche Raum-Zeit-Strukturen, Aufmerksamkeitsfokussierungen und Sinn-Sinne-Konstellationen sorgen“ (Hörisch, 2004, S.72f)

 

Und, ist das Medium wirklich die Botschaft?

 

 

Artikelfoto von Vergel Bradford

2 Comments
  • Katharina Ernst

    September 21, 2015 at 10:26 pm Antworten

    Hallo Sebastian,

    ich bin durch Zufall auf deine Seite gestoßen, da meine ein Thema meiner mündlichen Bachelorprüfung der Medienbegriff von Marshall McLuhan sein wird. Ich finde den Artikel sehr gut, er fasst McLuhans Ansichten und Theorien gut und verständlich zusammen.

    Mir ist aufgefallen, dass ich ziemlich ähnliche Interesse habe. Ich studiere Medienwissenschaft in Köln und möchte später im Bereich Soziale Medien/Online Medien (möglicherweise mit dem Schwerpunkt Videojournalismus) arbeiten. Zur Zeit arbeite ich zudem an einem eigenen Webauftritt. Ich wollte eigentlich nur sagen, dass deine Seite mich sehr inspiriert hat und dir ein großes Lob dafür aussprechen.

    Liebe Grüße,

    Katharina

    • Sebastian Werner

      September 22, 2015 at 9:46 pm Antworten

      Liebe Katharina,

      vielen Dank für Dein Feedback, das freut mich sehr. Wenn Du magst können wir uns gerne über Social Media vernetzen und vielleicht auch mal auf einen Kaffee treffen, um uns über die schöne Kölner-Medienwelt auszutauschen. Besonders der Onlinevideo-Journalismus ist ja auch derzeit der Bereich, mit dem ich mich beschäftige.

      Beste Grüße,

      Sebastian

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