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FAULSTICHS FERNSEHÄSTHETIK oder die MANIPULATIONSKRAFT DES FERNSEHENS

Wie stark manipuliert das Fernsehen und welche Wirkung hat es wirklich auf seine Zuschauer? Während der Suche auf eine Antwort bin ich auf den Medienwissenschaftler Werner Faulstich gestoßen, der eine klare Antwort hat.

Faulstich unterscheidet zwischen künstlerisch-ästhetischer und pragmatisch-informationsorientierter Nutzung von Medien. Fernsehen ist das Medium, das unübersehbar deutlich von Anfang an beide Funktionen vermischt (vgl. Faulstich 2002, S.44f.). Das Fernsehen ist „ein Medium zwischen Aktualität und Virtualität, zwischen Authentizität und Simulation, présence und absence“ (Roloff 2002, S.51f.).

„Das Fernsehen befriedigt das Unterhaltungsbedürfnis, verstanden als Bedürfnis nach Halt, im Sinne sozialer Manipulation in Gestalt serieller Programme“ (Faulstich 2002, S.48).
Anders ausgedrückt, beschreibt Werner Faulstich das Fernsehen als ein Medium, das durch serielle Struktur seines Programms eine umfassende Manipulation durch Unterhaltung bietet, indem Realität durch eine serielle Pseudo-Wirklichkeit substituiert wird. Dies klingt sehr kulturpessimistisch, ist jedoch zunächst einmal deskriptiv und nicht wertend gemeint.
Er schreibt somit dem Medium Fernsehen folgende Merkmale zu:

• Serialität (Die Formate sind als Serie aufgebaut)

• Selbstreflexivität (Das Fernsehen beschäftigt sich mit anderen Inhalten aus dem Fernsehen, so dass ein eigener medialer Bedeutungsraum entsteht)

• Manipulation (Der Zuschauer wird so manipuliert, dass er teilweise nicht mehr zwischen Realität und Medienwirklichkeit unterscheidet)

• Unterhaltung

• Substitution (In der Fernsehunterhaltung wird die Realität durch eine Parallelwelt substituiert)

Die Serie ist das strukturgebende Wesensmerkmal des Mediums Fernsehen. Dies bedeutet, dass die Strukturen des Fernsehens serieller Art sind, da die meisten Inhalte bzw. Formate, die nicht ursprünglich aus einem anderen Medium kommen (wie z.B. der Film) in der Regel als Serie stattfinden. So stellt Faulstich fest, dass erst in der Serie als Programm sich das Fernsehen als Medium der Manipulation entfaltet. Er stellt fest, dass die Serialität zu einer ständigen Wiederkehr austauschbarer Inhalte führt.

Die Fernsehinhalte sind nicht nur immer schon medial produziert und konstruiert, sondern darüber hinaus erzeugt das Fernsehen eine selbstreflexive Manipulation einer artifiziellen Pseudo-Realität. Das Fernsehen sorgt für eine Manipulation der Referenzsysteme von Realitäten/Medium/Fiktionen durch ein mehrdimensionales System von Selbstreflexität.

Fernsehen ist somit ein Medium der Manipulation und der Serie. Manipulation ist eine emotionale Kategorie, die sich vornehmlich unbewusst und gleichzeitig umfassend im Bereich des gesamten Fernsehens vollzieht. Sie ist durch die Form des Mediums Fernsehen, mit dem unaufhörlichen Fluss an Informationen und Bildern im Programm, bestimmt. Gerade diese Form macht das Fernsehen so wirksam.

Die Primärfunktion des Fernsehens ist die Unterhaltung, welche zu einer Substitution der Realitätführt. Hierdurch wird die Wirklichkeit durch eine imaginäre Parallelwelt bzw. eine Welt ohne unvermittelten Kontakt ersetzt.

Zusammengefasst kann gefolgert werden, dass das Fernsehen durch seine starke Wirkung und seine manipulativen Kräfte für den Zuschauer unbewusst selber Teil der Wirklichkeit wird, über die er sich mit seinen Freunden und Bekannten verständigt.

Könnt Ihr Faulstich zustimmen? Oder anders gefragt, sind diese spezifischen Charakteristika denn überhaupt schlimm?

 

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