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Amerikanischer Pragmatismus – eine kurze Einführung

Wenn Du Dich mit Philosophie und Wissenschaft befasst, wirst Du unweigerlich mit der Denkrichtung Pragmatismus konfrontiert. Der Ausdruck Pragmatismus hat seinen Ursprung dabei in der griechischen Sprache und kann als Sache oder Handlung bezeichnet werden. Dabei geht es auch immer um das praktische Handeln bzw. Verhalten und dessen Auswirkung auf unser Denken und Wissen. Aus philosophischer Sicht ist der so bezeichnete Amerikanische Pragmatismus entscheidend auch für das heutige Verständnis von Pragmatismus. Hierbei kann explizit davon ausgegangen werden, dass Wirkungen sowie praktische Konsequenzen von Ereignissen und Handlungen die eigentliche Bedeutung des jeweiligen Gedankens widerspiegeln. Zudem geht ein Amerikanischer Pragmatismus der klassischen Art grundsätzlich davon aus, dass Wissen im Hinblick auf die jeweiligen Pragmatisten prinzipiell fehlbar (Fallibilismus) ist.

Amerikanischer Pragmatismus wird von James, Peirce und Dewey geprägt

Der Amerikanische Pragmatismus kann als eine besondere philosophische Strömung verstanden werden, die in erster Linie von William James (1842 – 1919) sowie Charles Saunders Peirce (1839 – 1914) begründet wurde. Als der bekannteste Verfechter dieser philosophischen Strömung zu Beginn des 20. Jahrhunderts gilt John Dewey (1859 – 1952), der diese philosophische Richtung konsequent fort führte und die grundsätzlichen Ideen quasi mit Feinschliff versah.
Dabei kannst Du den Pragmatismus an sich als erste eigenständige Strömung innerhalb der amerikanischen Philosophie verstehen. Obwohl der Pragmatismus in dieser Form im letzten Quartal des 19. Jahrhunderts entstanden ist, wurde ihm erst Anfang des 20. Jahrhunderts weit reichende Bedeutung beigemessen; dabei kristallisierten sich die von James, Peirce und vor allem Dewey vertretene Ausprägung als ein anerkanntes Grundgerüst respektive -schemata im Hinblick auf explizite pragmatische Denkweisen heraus. Allerdings trat der von James und Peirce begründete Amerikanische Pragmatismus lange Zeit gegenüber der rein analytischen Philosophie in den Hintergrund. Erst in den vergangenen zwei Jahrzehnten schwand die Reputation und das Renomée der analytischen Philosophie, während gleichzeitig das Interesse an pragmatistischen Ideen sowie Denkweisen wieder verstärkt in den Fokus rückte.

Amerikanischer Pragmatismus: Keine fest stehende philosophische Methode

Du solltest Dir aber an dieser Stelle grundsätzlich klar machen, dass ein amerikanischer Pragmatismus nicht als eine fest gelegte philosophische Methode interpretiert werden darf. Und schon gar nicht als eine besondere philosophische Schule, deren Verfechter sich über entsprechende Verfahrensweisen und Prinzipien im ganzheitlichen Kontext einig wären. Der Amerikanische Pragmatismus ist alleine schon von seiner Definition her nicht klar einzuordnen. Dies zeigt bereits der Umstand, dass es zwischen den Begründern und auch den klassischen Autoren dieser philosophischen Strömung stets Uneinigkeit über die exakte Bedeutung eben des Ausdrucks “Amerikanischer Pragmatismus” gab. Ein Beispiel für diese Uneinigkeit ist nicht zuletzt die jeweils unterschiedliche Namensgebung in Bezug auf den Pragmatismus amerikanischer Art. So distanzierte sich zum Beispiel Peirce, dem aus historischer Sicht die Findung von pragmatistischen Denkweisen zugeordnet werden kann, eindeutig von den Sichtweisen und Theorien seiner Nachfolger Dewey und James. Um diesbezüglich seine deutliche Ablehnung zu dokumentieren, führte er den recht eigenwilligen Begriff “Pragmatizismus” ein. Demgegenüber kannst Du die philosophische Position von James eher als radikalisierten Pluralismus oder Empirismus interpretieren. Dewey benutzte stattdessen die Bezeichnung “Instrumentalismus” und der britische Pragmatist Schiller hielt das Wort “Humanismus” für angemessen.

Praktische Bezüge und Wirkungsweisen als Grundlage pragmatistischer Denkformen

Letztlich haben sich aber – trotz der verwirrenden Vielfalt an Positionen und Namen – klar abgrenzende Bedeutungen des Ausdrucks “Amerikanischer Pragmatismus” heraus kristallisiert. Zum einen kann demnach der von Peirce begründete Ausdruck “Amerikanischer Pragmatismus” als eine spezielle Vorgehensweise zur Klärung der allgemeinen Bedeutung von Ausdrücken sowie Begriffen in der Wissenschaft respektive in der Philosophie interpretiert werden. Dabei basiert diese Annahme auf der von Peirce 1878 veröffentlichten Studie “Pragmatische Maxime”, in der er davon ausgeht, dass die entsprechende Klarheit eines der Wissenschaft oder Philosophie entstammenden Ausdrucks stets mit einer Art persönlichen Gedankenexperiments zusammen hängt. Laut dieser Auffassung musst Du Dir grundsätzlich die praktischen Bezüge und Wirkungsweisen, die den eigentlichen Gegenstand des Begriffs ausmachen, vor Augen führen. Dabei solltest Du stets beachten, dass Amerikanischer Pragmatismus in dieser Form von Peirce grundsätzlich im Zusammenhang mit einer auf Logik aufbauenden Forschung stand. Nach Peirce versuchten die expliziten Nachfolger über diesen eher engen Geltungsbereich nachhaltig hinaus zu gehen.

Gibt es in der Welt nicht veränderbare Gegebenheiten?

Eine weiterführende Definition des Begriffs “Amerikanischer Pragmatismus” bezieht sich diesbezüglich auf die allgemein gültige philosophische Theorie der Wirklichkeit, der Erfahrung sowie des Wissens. Dabei wird hier davon ausgegangen, dass diese Theorie das Ergebnis eines sozialen sowie biologischen Entwicklungsprozesses ist, der anpassende und kontrollierende Funktionen rund um das Denken, das Wissen und die Erkenntnis aufweist. Zudem wird die Wirklichkeit bzw. Realität grundsätzlich als veränderlich und variabel angesehen, was bedeutet, dass es unabänderliche Gegebenheiten im Grunde genommen auf dieser Welt überhaupt nicht geben kann. Stattdessen geht es beim Amerikanischen Pragmatismus immer auch um die Verwirklichung persönlicher Absichten und Interessen. Dies kannst Du in der Form interpretieren, dass Dein sämtliches Wissen durch explizite Erfahrungswerte kontinuierlich verifiziert wird.

Amerikanischer Pragmatismus als erkenntnistheoretische Position

Amerikanischer Pragmatismus in einer eher modernen Fassung wird dagegen in den Zusammenhang mit einer erkenntnistheoretischen Position gesetzt. So steht hier ein rigoroser Anti-Essenzialismus im Fokus, wobei den philosophischen Grundbegriffen wie zum Beispiel Moral, Erkenntnis, Wahrheit oder auch Rationalität ein eigenes Wesen abgesprochen. Dies bedeutet, dass es keine Strategien oder Operationen geben kann, mittels denen eben EIN Wesenscharakter eindeutig aufgedeckt werden kann. Stattdessen ist ein Amerikanischer Pragmatismus in dieser Form durch ihren Holismus gekennzeichnet, der durch die generelle Ablehnung von einschlägigen Dichotomien wie zum Beispiel Theorie und Tatsachen sowie Werte und Tatsachen geprägt wird. Beide müssen hiernach zusammen gedacht werden.

 

Artikelbild von Bec Brown auf unspalsh.com

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